Straßen

Marlies Pahlenberg

Sorgenfrei / Am Schwarzen Meer

19:58 min, 2017


Ufnaustraße

22:14 min, 2016

Für die Projekte „Ufnaustraße” und „Sorgenfrei / Am Schwarzen Meer“ klingelte ich in den jeweiligen Straßen an die Haustüren und fragte, ob ich mich der Beschäftigung anschließen dürfe, der die Bewohner_innen gerade nachgingen. Ich bekam Einblicke in Parallelleben hinter benachbarten Türen; Momente, die sich normalerweise hinter Wänden abspielen und dem Blick Fremder entzogen sind. Was tun die Menschen hier? Miteinander-leben, Zusammen-leben, Aneinandervorbei-leben?


Der Schnitt zeigt Sprünge durch die Szenen wie der Taumel durch die Treppenhäuser: ein wilder Querschnitt der Bewohner_innen ganz normaler Straßen. Die Kamera steht still, ist ein stummer Beobachter, fängt die Szenen ein wie ein Zuschauer, der auf eine Bühne blickt. Die Nachbar_innen und ich sind die Darsteller - die Schauspieler? Ich spiele ein fremdes Leben nach und lebe es auch wirklich in diesem Moment. Sie lassen mich teilhaben, öffnen sich und ihre Türen, lassen Augen hinein. Beim Durchschreiten dieser Türen, die normalerweise für Außenstehende verschlossen sind,  werde ich ein „Innenstehender“, der für einen Moment in fremden Leben „mitspielt“. Die Nachbar_innen spielen hingegen ausschließlich sich selber, sie sind die Darsteller vor der alltäglichen Kulisse ihres eigenen Lebens, welches ich einfangen möchte. Dabei bin ich auf der Suche nach dem Unbekannten im Bekannten, dem Skurrilen im Normalen. Und so rücke ich das Nebensächliche in den Vordergrund und der Alltag wird zum Hauptdarsteller.


Beide Projekte mündeten in gemeinsame Videoabende mit den Protagonist_innen, um zusammen die entstandenen Filme zu sehen. So erhielten auch sie Einblicke in das Leben der Nachbar_innen und bekamen gleichzeitig die Möglichkeit sie auch wirklich kennenzulernen.