a true story

Marlies Pahlenberg

Eine Chat-Unterhaltung mit einem Mann, der beinahe sieben Jahre im Gefängnis saß, wird in diesem Film von Pförtnern und Wachpersonen nachinszeniert. Menschen dieser Berufsgruppe achten hauptberuflich darauf, dass nichts passiert; sie bewachen Türen und die passenden Schlüssel dazu. Allein in einem kleinen Raum, der sich in einem größeren Raum befindet, überwachen sie und werden selbst überwacht.

 

In diesem Film werden Wachleute mit Erzählungen über eine Gefangenschaft konfrontiert, sie nicht ihre eigene ist. Ihr Arbeitsalltag bildet die Illustration für diese Geschichten. Wie ein Wechselbild kann der Zuschauer entweder das eine oder das andere Element vor seinen Augen scharf stellen. Diese Wachleute werden mit Erzählungen über Gefangenschaft konfrontiert, die nicht ihre eigene ist. Ihr Arbeitsalltag bildet die Illustration für diese Geschichten. Dadurch entstehen neue Lesarten, wie die Analogie Pförtnerloge/Zelle, der Arbeitsalltag als Extremsituation, die improvisierte Stadt, es wird aber auch die Frage aufgeworfen, inwiefern wir, die uns als frei bezeichnen, überhaupt frei sein können in der Routine der überwachten und überbevölkerten Großstädte.

 

Die Erzählungen und Erinnerungen, die ursprünglich nur von einem einzigen Menschen stammen, fächern sich durch die Rollenverteilungen auf und werden auf viele Personen verteilt. Durch dieses Auffächern fügen sich die Erinnerungsfragmente zu einem neuen multiperspektivischen Netz zusammen. Die Illusion eines kollektiven Gedächtnisses entsteht, die Utopie einer gemeinsamen Erinnerung.

 

 

 

a true story

24:15 min, 2018